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Augenpoesie (8) – Dann wachsen mir deine Briefe

14. September 2017

Erich Fried ist ein bekannter Dichter zarter Liebeslyrik und Autor der neuen Eye Poetry-Runde. Sein Gedicht „Wintergarten“ hat Andrea uns als neue Herausforderung mit auf den Weg gegeben. Ein wirklich grandioses Gedicht, bei dem mich mehrere Zeilen sehr berührt haben.

Für meine neue Stoffbuchseite habe ich mich schließlich auf die Worte „dann wachsen mir deine Briefe“ konzentriert und diese recht textnah umgesetzt. Ich fand das Bild klasse, dass ich einen Briefumschlag einpflanze und daraus wachsen weitere Worte und Briefe und Gefühle und eine Bindung und Beziehung und…. Einfach schön.

Also habe auch ich einen Blumentopf auf meine Seite „gepflanzt“ und aus diesem wächst ein Papierwortbaum, der mit Farbe, Stempel und gelben wie roten Stickereien weiterbearbeitet wurde und kleine gefaltete Briefumschläge als Blatt- und Blütenersatz trägt.

Hach…

Andrea wollte wissen, ob uns Ideen schnell kommen zu unseren Eye Poetry-Beiträgen. Hierzu kann ich sagen: unterschiedlich. Bei dieser Friedschen Textzeile hatte ich sofort ein sehr haptisches Bild vor Augen, das macht es einfacher. Manchmal ändern sich die Materialien, die ich verwende. So wollte ich ursprünglich statt des Papierbaums dickes Wollgarn aufsticken als Äste. Das gefiel mir aber überhaupt nicht. Andere Umsetzungen dauern in der Überlegung länger, gehen aber dafür schnell, wie etwa das Jandl-Gedicht.

Zurzeit ist hier auf dem Blog mit Beiträgen und Gewerkeltem viel los. Und öft höre ich: Wie und wann machst du das alles? Offen gestanden dauern die Umsetzungen nicht immer unbedingt schrecklich lange (wie Jandl oder meine Sticklesezeichen – die sind wirklich schnell gemacht!), und sie dauern nicht lange am Stück (ich arbeite Vollzeit, habe also selten einen ganzen Tag für mich zum Werkeln, aber frühmorgens ein Stündchen hier und abends ein, zwei Stündchen dort). Ich arbeite immer an mehreren Dingen auf einmal und ergänze mehrfach kleine Schritte an einem Projekt. Das dauert mal zehn, mal fünfzehn Minuten und lässt sich damit gut in einen Alltag unterbringen. Das Arbeiten an mehreren Werkelprojekten hat auch den Vorteil, dass sich manche Ideen und Umsetzungen hervorragend kombinieren lassen (mit Farbe arbeiten!) und sich gegenseitig inspirieren. Mir kommen also viele Ideen für ein Projekt, wenn ich an einem ganz anderen arbeite. Und ich nutze meine Zeit vor dem Fernseher (sticken, Schnitte ausschneiden), in der Bahn (lesen, schreiben), im Auto (Ideen wälzen).

Vermutlich gehöre ich zu den Menschen der Gruppe „gut organisiert“, aber ich lasse mir in Dingen wie Haushalt auch helfen. Eine Putzfee schwingt den Zauberstab wöchentlich in unserer Wohnung, mein Mann ist für das Spülen (nein, wir haben keine Spülmaschine) und ich für die Wäsche zuständig. Die gewaschenen Hemden meines Mannes gebe ich zum Bügeln in die Reinigung (er braucht aber auch nicht viele), den Einkauf erledigen wir abwechselnd, und mit dem Kochen halten wir es unter der Woche „unaufwändig“. So, damit kennt ihr mein ganzes Geheimnis (lach). Kreativität ist für mich neben Vergnügen und Spaß auch Abwechslung (und manchmal Therapie) zum Kopfjob. Und vor allem immer Freude.

Frühere Eye Poetry-Beiträge von mir: 1+2 zu Carroll und Rilke / 3 zu Ringelnatz / 4 zu Murakami / 5 zu Neruda 6 zu Dickinson / 7 zu Jandl 

Verlinkung: Eye Poetry 8 RUMS

15 comments

  1. Ein Papierwortbaum!? Woow.. den muss man bestimmt täglich gießen, oder?! Deine Umsetzung ist einfach wunderbar, Susanne. Ich selbst hatte noch keine Idee dazu. Aber wer weiß? Vielleicht küsst mich die Muse ja noch 😉 Und Du arbeitest Vollzeit? Chapeau! Herzlichst, Nicole

  2. Deine Umsetzung ist sehr poetisch und schön geworden! Da lässt sich ja richtiggehend philosophieren! Besonders die kleinen Briefumschläge sind ja herzallerliebst 🙂 Eine Putzfee würde mir auch gefallen… toll, wie du das alles unter einen Hut bekommst 🙂 Alles Liebe, Nadia

  3. Liebe Susanne, das hast du aber schön gemacht!!! Die Kombination von Stoff, Sticken und gestempelten Buchstaben gefällt mir richtig gut!!! Und vom Ansatz her, hatte ich die gleiche bzw eine ähnliche Idee wie du… bei mir waschsen auch Briefe aus einem Topf… ich möchte nämlich diesmal auch mitmachen…zum ersten Mal…mein Werk ist schon fertig aber ich muss noch was schreiben…
    Und in deinem Bericht, wie und wann du werkelst, habe ich mich total wiedergefunden…da ich so viel nebenhervund gleichzeitig mache, liegt jedoch leider immer ganz viek Zeug rum ( so quasi: „Das ist keine Unordnung. Hier liegen nur überall Ideen rum…“ Und vor dem Fernseher werkel ich auch oft, sehr zum Leidwesen meines lieben Mannes, der den Unruhegeist neben sich, lieber ruhigstellen würde…
    Ganz liebe Grüße,
    Andrea

  4. Bezaubernd, dieses Briefpflanze! Wieder eine so richtig geniale Idee, so zart und fein umgesetzt! Hab auch ganz lieben Dank für deine wunderschöne Post, die sich passenderweise gerade heute bei mir eingefunden hat!
    Ich bin voller Bewunderung, was du alles noch so neben dem Vollzeitjob wuppst….
    Liebe Grüße
    Andrea

  5. Ich mag Deine Umsetzung ganz arg gerne. Literatur hätte ich nie mit Handgearbeitetem in Verbindung gebracht – seit ich bei Dir lese und schaue finde ich das eine geniale Kombination!
    LG Ines

  6. das gedicht hast du wunderbar umgesetzt, liebe susanne! ich mag sehr, wie die briefe aus dem topf wachsen und typo ist auch immer ein hingucker! ich bin diesmal noch nicht so weit, zu viel anderes beschäftigt mich im moment.
    ich bewundere dich, was du alles neben deiner vollzeitarbeit so hinbekommst und dann noch so viele blogposts schreibst und bei anderen kommentierst. das kann nur daran liegen, dass du so viel freude und spaß darin findest. und das ist doch einfach nur toll!!
    liebe grüße
    mano

  7. Hallo Susanne,
    das gefällt mir sehr sehr gut. Aus dem Blumentopf wächst ein Briefkuvertbaum. Ich finde die Idee so schön. Bei mir sind die Briefchen noch am Wachsen aber bald sind sie größer.

    Gefällt mir sehr gut.

    Lieben Gruß eva

  8. Liebe Susanne, eine ganz tolle Umsetzung… Ich schaue ja die Ergebnisse nie an, bevor ich selber fertig bin… Aber siehe da, wir haben dieselbe Zeile als Inspiration gehabt. Deine Version gefällt mir sehr gut, auch was du zum Prozess schreibst. Wunderbar, dass die Kreativität trotz Vollzeitjob so einen großen Platz bei dir haben kann…, das habe ich in Ansätzen erst geschafft, als der Jüngste 9 war und ich ihn in meine ersten Kurse (1994) mitnehmen konnte. Und gut war dann, als ich mir nach Auszug aller meiner Kinder einen ständigen Werkplatz in der Wohnung gönnen kann, wo auch immer „jede Menge Ideen herumliegen…“ 😉 😉 ;-). Und da geht es mir wie dir, ein Projekt beeinflusst das andere. Liebe Grüße Ghislana

  9. Liebe Susanne, Dein Werk gefällt mir ausnehmend gut. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Kreatives und Schönes Du zuwege bringst, trotz Fulltimejob. Collage, Stiche und Stoff, kombiniert mit einer schönen Schrift sind einfach eine tolle Kombination. Und wenn es dann auch noch so gut zum Text passt, ist das wunderbar. Ich freue mich immer wieder, wenn ich etwas von Deinen Arbeiten zu sehen bekomme. Liebe Grüße, Ursula

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