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Die Reise nach Jerusalem

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Heute gibt es keinen gewerkelten Beitrag von mir zum Mustermittwoch von Michaela; vielmehr gibt es einen Anekdotenbeitrag, der meine Begeisterung für Sprache zum Ausdruck bringt – und doch hat er viel mit Musik zu tun. So dürft ihr euch also zurücklehnen, lesen und staunen, was die Unterschiedlichkeit in Sprache bewirken kann.

Es geht….um die Reise nach Jerusalem. Hierzulande als Kinderspiel bekannt, bei dem so viele Stühle wie Mitspieler minus 1 Stuhl aufgestellt werden. Wenn die Musik an ist, laufen alle um die Stühle herum; geht sie aus, muss sich jeder schnell auf einen Stuhl setzen; derjenige, der keinen freien Platz mehr findet, fliegt raus. Das kennt ihr alle, oder?

Nun, als ich vor einigen Jahren mit damaligen Kollegen aus Großbritannien und den Niederlanden beim Abendessen zusammensaß, kamen wir irgendwie auf dieses Spiel. Ich machte einen Vergleich von irgendwas (keine Ahnung mehr was es war) mit der „Journey to Jerusalem“, wie ich das Spiel für mein Dafürhalten korrekt auf Englisch übersetzte, eine andere deutsche Kollegin scherzte mit, aber alle anderen schauten uns völlig erstaunt an und hatten keine Ahnung, von was wir redeten.

Ich war ebenso perplex, denn es konnte doch nicht sein, dass sie mein Lieblingsspiel aus Kindertagen in anderen europäischen Ländern nicht kannten? Und so erklärten meine deutsche Kollegin und ich dieses Spiel, worauf alle lachten und meinten, das hieße in UK „musical chairs“ und „stoelendans“ in den Niederlanden. Ist das nicht ganz und gar unglaublich, dass wir Deutschen nach Jerusalem reisen, während andere musikalische Stühle haben und einen Stuhltanz spielen?

Es leuchtet auch sehr ein, warum musikalische Stühle und Stuhltanz, denn damit hat es eindeutig mehr zu tun als mit dem vermeintlichen Namen „Die Reise nach Jerusalem“. Damals war natürlich meine Neugierde geweckt und so recherchierte ich ein wenig zu dem Wieso, Warum und Weshalb. Und stellt euch vor: Wir beziehen uns in unserem Terminus vermutlich auf die Zeit der Kreuzzüge, als man im vermeintlich „richtigen“ Glauben nach Jerusalem zog. Da die Reise aber beschwerlich und verlustreich war, kamen bei weitem nicht alle an, die anfangs mit an Bord gegangen sind. Auf dem Weg verloren die Schiffe zahlreiche Passagiere durch Krankheiten und infolge durch Tod. Weshalb bei der Ankunft nur noch wenige übrig bleiben – oder, wie beim Kinderspiel „Die Reise nach Jerusalem“, eine Person.

Ich finde diese Geschichte immer noch unglaublich, denn sie ist ein Zeichen eigentlich nicht nur der Sprachverschiedenheit sondern in gewisser Weise des Kulturverständnisses.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ein Muster habe ich heute nicht im Gepäck, lediglich ein wenig Geschenkpapier, das ich begonnen habe zu zerknüllen, um es zu etwas weiterzuverwenden, wofür die Zeit nicht gereicht hat. Dafür teile ich mit euch sehr gerne meine Anekdote zu den musikalischen Stühlen, dem Stuhltanz und der Reise nach Jerusalem und freue mich, wenn diese kleine Geschichte in euren Ohren nachklingen wird…

Verlinkung: Mustermittwoch im Dezember

12 comments

  1. wunderbar, wenn der mumi nicht nur aus mustern besteht, sondern sich „dahinter“ auch anderes entwickelt. seien es kleine werkeleien, musikalisches zum hören oder dein beitrag zur sprache, den ich höchst interessant finde.ein so lustiges spiel mit einem ernsten hintergrund. wer sich den namen wohl ausgedacht hat? dass der titel mit den kreuzzügen zu tun hat, hätte ich nicht vermutet. besonders spannend, weil das rittergut lucklum, von dem ich kürzlich berichtete, seinen ursprung im „deutschen orden“ hat, der an den kreuzzügen ins heilige land beteiligt war. so schließen sich manchmal kreise…
    liebe grüße
    mano

  2. Das ist ja wirklich unglaublich!!! Das Spiel hat einen Namen, der ja wirklich nicht nur witzig und spielerisch ist!? Was alles passieren kann mit Sprache! In meiner Kindheit auf der anderen Seite der Mauer hieß das Spiel übrigens Stuhltanz. Der Reiseaspekt im Namen kam hier erst auf, als Ost-Bezeichnungen nicht mehr „hipp“ waren. Spannend. Und dennoch wird/wurde es überall ganz genauso gespielt. Danke fürs Recherchieren. Sowas finde ich immer so interessant. Viel Spaß beim Feiern und Spielen. Viele liebe Grüße maika

  3. Oh ja, das ist ja echt interessant, wie man sich sprachlich manchmal neben die Stühle setzen kann und wie sich solche Begriffe festsetzen. Sehr sehr spannend und ein äußerst spannender Aspekt zum Mustermittwoch. Danke fürs Einbringen und Zerknüddeln, sieht großartig aus!
    Liebe Grüße
    Michaela

  4. Wenn man die historische Erklärung liest, macht der Spiele Name durchaus Sinn, fand ich sehr interessant. Viel Spass beim Geschenkpapier gestalten, so krisselig durch das Zerknüllen hat es alleine schon was.
    Liebe Grüsse,
    Nina

  5. Jetzt ehrlich? Wir erinnern an die Kreuzzüge mit diesem lustigen Stuhlspiel? Das wusste ich nicht, Susanne. Ich guck ganz verblüfft. Danke für die interessante Reise in die Geschichte. Herzlichst, Nicole (äääh.. super knuddeliges Geschenkpapier!!!)

  6. Also, so dekorativ kannst auch nur du ein zerknuddeltes Papier in Szene setzen!!! Was es wohl geworden wäre??? Aufgeschoben ist bei dir ja nicvt aufgehoben, stimmt’s?
    Liebe Grüße,
    Andrea

  7. Ich habe dieses Spiel geliebt – und konnte da so schlecht verlieren! Ich habe über den Namen auch noch nie nachgedacht – danke, dass Du nach recherchiert hast – und irgendwie ist das ja schon gruselig.
    Tolles Notenpapier, ich merke, dass ich da gar keinen Blick für habe und es daher sehr genieße, bei Dir immer wieder Papier in allen Varianten und Schattierungen zu sehen.
    Liebe Grüße aus dem Nebel,
    Ines

  8. Das war ja ein interessanter Bericht. Das Spiel kenne ich auch, aber über die Herkunft habe ich nichts gewusst.
    Eine schöne Idee das Papier so zu knüddeln. Das hat eine tolle Wirkung und sieht gut aus.
    Liebe Grüße
    Monika

  9. Ist es nicht erstaunlich, wie tief unsere Sprache in der Geschichte verwurzelt ist? Es gibt so viele solche Geschichten und Zeichen, und wenn wir die kennen, wird vieles so viel klarer! Es gab eine Sendung im WDR zu Redensarten, da hat der Mensch auch Sprichwörter untersucht. Und dann soll noch irgendwer behaupten, es wäre egal, wenn „man“ Frauen nicht auch in der Sprache mitspricht, sondern die Hörerin sich das bitte immer selber dazu denken soll.
    Danke Dir sehr fürs Recherchieren und Mitteilen
    Liebe Grüße
    Christiane

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