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MittwochsMix: Strukturerarbeitung

11. November 2020
Heute braucht ihr viel Geduld und etwas Zeit; dafür gibt es wie versprochen auch ein kleines Tutorial… Nachdem ihr mir so feine Rückmeldungen hier und auf Instagram zu meinen strukturierten Ovalen vergangene Woche gegeben habt (DANKE!), zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ich diese Ovalstrukturen erarbeitet habe. Es gibt also heute reichlich Struktur und auch einige Ovale zu sehen (aber auch anderes…)!

An Material benötigt ihr: 80-100g Papier in einer Farbe eurer Wahl als Basis; diverse Papiere zum Bekleben/Collagieren des Basispapiers; Matt Medium oder ein anderer Kleber eurer Wahl; Acrylfarbe(n) eurer Wahl; transparentes Gesso; Soft Gel; Tuschen und Pipetten; Wassersprühflasche; diverse Schablonen; eine alte Scheck- oder Einkaufskarte; reichlich Papier zum Unterlegen und zum Schutz; Handschuhe wer mag.

Und so geht ihr vor – Schritt 1: Zunächst beklebt ihr euer Trägerpapier mit diversen Papierresten. Das können alte Buchseiten, bereits bedruckte Papierreste oder Magazinseiten sein, oder oder. Durch das Bekleben bekommt das Trägerpapier mehr Stabilität. Wenn ihr farbige Papiere einarbeiten mögt, könnt ihr das gerne tun. Wichtig ist nur zu wissen, dass sie am Ende sichtbar sein können. Wer das mag, wunderbar. Wer das lieber nicht mag, nutzt im nächsten Schritt mehr deckendes Acryl oder verwendet zum Bekleben keine bunten Papiere…Ich verwende zum Bekleben sehr gerne Matt Medium, aber letztlich ist das eure Entscheidung. (Übrigens sind alle hier gezeigten Produkte keine Aufforderung zum Nachkaufen, sondern dienen lediglich der Illustration der einzelnen Schritte….welche Produkte ihr von welchem Hersteller nutzt, bleibt völlig euch überlassen.)

Schritt 2: Nachdem das collagierte Blatt gut getrocknet ist, streicht ihr es mit Acryl ein. Auf diese Weise vereinheitlicht ihr das Aussehen des Blatts ein wenig. Andernfalls wäre es womöglich als Basis etwas zu wild. Ich nutze dafür ein cremefarbes Weiß und verdünne das Acryl mit Matt Medium, damit es nicht allzu deckend ist. Ein wenig vom Untergrund mag ich später doch gerne noch sehen. Ob ihr für diesen Schritt Weiß nutzt oder eine andere Farbe, hängt letztlich auch vom gewünschten Endergebnis ab. Ich würde grundsätzlich zu einer hellen Farbe raten; das kann statt Weiß oder Creme auch ein softes Beige oder Rosé sein.

Schritt 3: Sobald das eingestrichene Blatt getrocknet ist, tragt ihr eine dünne Schicht transparentes Gesso auf. Das dient als Art Schutz- und Saugschicht. Auch diese Schicht wieder gut trocknen lassen.

Schritt 4: Nun geht es an das eigentliche Vergnügen. Schnappt euch Schablonen eurer Wahl – Blumen, Blätter, abstrakte Muster, Buchstaben, Zahlen…und streicht durch die Schablone mit eurer alten Scheck- oder Einkaufskarte eine dünne Schicht Soft Gel auf. Soft Gel ist eine Art dickes Medium, das ich sehr gerne auch für Bildtransfers verwende. Arbeitet hier zügig, denn das Soft Gel trocknet schnell an. Auch eure Schablonen solltet ihr nach dem Durchstreichen zügig vom Papier entfernen und eventuelle Gel-Überreste wegwischen oder abwaschen. Diese Schicht Soft Gel bildet sich etwas erhaben auf eurem Papier ab – wie ein kleiner 3D-Effekt (siehe 2. Bild unten). Auch diesen Schritt sehr gut trocknen lassen!

Schritt 5: Jetzt könnt ihr an die Farbgestaltung gehen. Ich habe vor allem Tuschen verwendet und diese mit Pipetten auf das Papier gegeben. Der Wassersprüher kann jetzt ganze Arbeit leisten, denn wichtig ist, dass nur eine dünne Schicht Tusche über die Soft-Gel-Muster liegt. Jetzt erkennt ihr schon die Reservierung dank der Schablonenschicht und seht, wie gut sich auch einzelne collagierten Papiere noch abzeichnen oder abgedeckt werden, dabei aber herrliche Strukturen bilden. Gerade bei diesem letzten Schritt mit den Tuschen ist wichtig, euren Arbeitsplatz gut abgedeckt zu haben, da einige Wassertuschreste abtropfen werden. Tipp: Legt Papier darunter, das ihr im Anschluss weiterverwenden wollt, denn auch die aufgefangene Tusche ergibt tolle Muster und herrliche Papiere! Alles gut trocknen lassen! Fertig!

Hier ein paar Ergebnisse der Druckreihen.

Alternativ könnt ihr auch zuerst auf eurem unbehandelten Trägerpapier eine Schicht Soft Gel durch eine Schablone auftragen, trocknen lassen und dann diese erste Reservierung mithilfe von Aquarellfarben hervorheben. Das habe ich bei diesen Papieren unten gemacht. Hier waren die ovalen Muster zuerst sichtbar (1. Foto unten). Sie haben im Anschluss eine Schicht Gesso und eine weitere Schicht Soft Gel samt Tusche bekommen (weitere Fotos). Auf diese Weise überlagern sich die reservierten Bereiche richtig klasse und erzielen coole Wirkungen! Schaut mal….

Wer nicht so lange warten mag, kann sich für die ganz einfache Variante entscheiden und auf Papier eine Schicht Soft Gel durch eine schöne Schablone ziehen und im Anschluss mit etwas Tusche oder Aquarellfarben darüber gehen. Das sieht in der einfachen Wirkung je nach Schablone auch klasse aus. Das Foto unten ist bester Beweis dafür, finde ich.

Auf Stoff habe ich das übrigens auch getestet, wie ihr hier unten auf den Fotos sehen könnt. Hier gilt natürlich, dass das Soft Gel den Stoff etwas plastiniert und er damit nicht mehr so geschmeidig ist. Als Farben habe ich einmal Wasserfarben verwendet und einmal Seidenmalfarben. Mein Fazit bei Stoff: Funktioniert, aber grundsätzlich finde ich die Strukturen auf Papier schöner.

Übrigens bietet es sich an, bei dieser Art der Papierbearbeitung in Serie zu gehen und direkt mehrere Blätter Papier parallel vorzubereiten. Bis der letzte Schritt getan ist, muss man etwas Zeit einplanen, was hauptsächlich der Trocknungszeit zwischendurch geschuldet ist. Deshalb lohnt sich die Arbeit an mehreren Blättern.

Ich mag den Effekt auf Papier, den ich dank dieser Bearbeitung erzielen kann. Es ergeben sich feine Strukturen. Und wie ihr sehen konntet, bieten sich nicht nur (aber natürlich auch) Ovale als Schablonendruck an!

Und falls ihr denkt, dass ich alleine auf diese Art und Weise der Strukturierung und Bearbeitung gekommen bin: Bin ich nicht. Ich habe Ideen dazu bei Carla Sonheim (10-Year-Anniversary-Kurs) und bei Kasia Avery (Wanderlust 2020) aufgegabelt. Und vermutlich gibt es da draußen im Netz viele Menschen, die das so oder ähnlich bereits auf deren Blogs oder Webseiten festgehalten haben. Ich bin jetzt lediglich eine davon. Wenn ich einigen von euch nun Anregung und Inspiration sein konnte: wunderbar!

Verlinkung: MittwochsMix im November

17 comments

  1. Liebe Susanne, vielen herzlichen Dank für die tolle Anleitung!!! Ich will das unbedingt ausprobieren. Deine Ergebnisse sind so wunderschön! Ein klein wenig erinnert mich das Vorgehen an meinen Online Kurs “The layered page” – was aber hauptsächlich an den vielen Schichten übereinander liegt… die Reservierungstechnik kannte ich noch nicht…
    Super!
    Ganz herzliche Grüße von Andrea

  2. Wow! Liebe Susanne, ja, da sind wir heute ganz ohne Absprache sehr ähnlich und doch ganz anders unterwegs. Ich habe gerade das Bedürfnis, all diese Zaubermittel einzukaufen, die du benutzt hast, oder einfach das zu testen, was ich sowieso noch hier habe.
    Ich mag diese geschichteten Arbeiten so sehr, superschön… bis gleich, ich freue mich auf unser Gespräch!

    Michaela

  3. mir ging es wie andrea, denn ich dachte auch gleich an kellee wynnes” layered pages”, denn da sind auch tolle schichtungen entstanden. aber deine methode ist nochmal eine ganze ecke spannender. da ist ja eine seite schöner als die nächste und umgekehrt. ich bin jedenfalls voll begeistert und werde gleich mal schauen, wo man dieses sagenhafte soft gel herbekommt.und dann brauche ich dringend schöne schablonen!!
    danke für die tolle anleitung, wir sehen uns ja gleich!!
    liebe grüße
    mano

  4. Oh Susanne!!! Einmal mehr bin ich so beeindruckt von deinen Werken! Toll! Die Anleitung ist wunderbar geschrieben und dabeifür mich als Laien ganz aufregend… wow, was alles gehr! Hab vielen lieben Dank für den pannenden Blick in eine “ganz andere Welt ” viele liebe Grüße maika

  5. Exzellente Effekte! superschöne Strukturen. Ich mag diese lasierenden Wirkungen und die Schichtung, die so viel Interpretation zulässt. Wenn ich mir nicht gerade mehr Schreibübungen vorgenommen hätte, würde ich sofort die Farben rausholen. Danke für den Anstubser. Ich mache mir ein dickes Kreuz auf der Projektliste für diese Technik. Liebe Grüße, Elvira

  6. Da kann man ja richtig aus dem Vollen schöpfen! Danke für die Anleitung
    die Ergebnisse erinnern mich ein wenig an Batiken (aber mit Wachs, nicht mit der Schnur oder Falttechnik) auf Stoff
    Wunderbar, wie so einfache Formen und eine große Blume (letztes Bild, zB) miteinander verschmelzen

    Liebe Grüsse
    Nina

  7. wunderschöne ergebnisse, ich mag das schichten auch sehr gerne, und bin ja auch in den genuss so einer tollen karte gekommen 🙂
    danke für das zeigen deiner vorgehensweise und ich bin auch immer sehr neugierig, welche produkte von anderen benutzt werden,
    das ist auch inspiration. liebe grüße, martina

  8. Total schön sieht alles aus – ich mag besonders die Transparenz des schablonierten Gels und die Effekt mit wasserbesprühter Tusche! Danke, dass du die Schritte so ausführlich erklärt hast, diese Technik ruft auf zum Nacharbeiten!
    Es ist bestimmt schon 5 Jahre her, da habe ich auch schon Gel durch Schablonen gestrichen, allerdings hatte ich es mit Acrylfarbe eingefärbt, doch gefällt mir die Wirkung des Transparenten sehr viel besser!
    Liebe Grüße – Ulrike

  9. fantastische anleitung, vielen dank! und immer wenn ich denke, ich hab eigentlich schon alles an material, taucht doch wieder etwas auf: in diesem fall die tuschen … das ist acryltinte, oder? ich hab zwar viele sprays, aber die sind alle auf wasserbasis. jedenfalls wieder eine super technik!!! ♥♥♥

    1. Hi Johanna, das ist SChellacktusche und keine Acryltinte, aber mit der würde ich das auch mal versuchen – auch mit Sprays auf Wasserbasis. Einfach mal versuchen. Wichtig ist, dass die ganzen Schichten gut getrocknet sind und es wirklich nur eine dünne Schicht am Ende draufkommt, die die Reservierungen nicht wieder zukleistert… Ich hoffe, das hilft. LG. SUsanne

  10. Aaaaah, das spannungsgeladene Warten auf dein Tutorial hat sich mehr als gelohnt, liebe Susanne – beim Lesen überkommt einen das unwiderstehliche Gefühl, sofort die wahnsinnig coole Farb- und Materialschlacht starten zu müssen. Jetzt schnell einkaufen … eine kleine Frage: in welcher Lektion hat denn Carla Sonheim etwas von dieser Technik bei words & pictures erklärt? Ist komplett an mir vorbeigegangen, ich würde aber sehr gerne sehen, wie die Ergebnisse bei ihr aussehen. vielen Dak für die ausführliche Anleitung – und die Ergebnisse sind einfach ein wahrer Augenschmaus.

    1. Liebe Ivy, gerade beim Durchschauen der Words & Pictures-Lektionen habe ich bemerkt, dass das gar nicht in dem Kurs, sondern in dem 10-Year-Anniversary-Kurs war und zwar im Kapitel Mixed Media Narrative Painting. Sorry…. da kamen mir die Kurse durcheinander. LG. Susanne

  11. Ganz toll. diese Schablonenreservierung muss ich unbedingt ausprobieren. Das ist ja eine tolle Wirkung. Gefällt mir ausgesprochen gut. Ich muss unbedingt wieder kreativ aktiv werden. Habe gerade soviel Pflichtprogramm. Ich brauche dringend Urlaub, um mal wieder solche tollen Techniken auszuprobieren. Danke für’s Zeigen.
    LG Ute

  12. Was für wunderschöne Ergebnisse, liebe Susanne. Deine Schablonen sind aber ganz besonders fein. Ich bin hin und weg. Leider fehlt mir die Muse es Dir gleich zu tun und wahrscheinlich auch das Talent ;)) Dir einen ganz herzlichen Drücker, Nicole

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